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Kick-Off-Event bei Siemens: IT-Nachwuchs fördern mit dem Software Campus

25.01.2013 -

Neun Doktoranden treffen ihre Mentoren bei Siemens.

Der Software Campus, der Spitzenforschung mit der Praxis verzahnen soll, wird jetzt bei Siemens mit Leben gefüllt. Erstmals trafen sich vergangene Woche die neun Doktoranden, die im Rahmen des langfristig angelegten Förderprogramms der Bundesregierung einen Teil ihrer Dissertation bei Siemens machen. Ziel ist die Ausbildung von zukünftigen IT-Führungskräften. Hochqualifizierte Masterstudenten in Informatik und verwandten Disziplinen können sich bei den Industriepartnern mit konkreten Projekten für ihre Doktorarbeit bewerben. Teilnehmer sind neben Siemens unter anderem SAP, Deutsche Telekom, Software AG und der Scheer Group. Das Bundesforschungsministerium fördert jedes Projekt mit bis zu 100.000 Euro.

„Für unser sehr IT-getriebenes Unternehmen ist es extrem wichtig, geeigneten Nachwuchs zu finden und zu fördern“, sagt Walter Weigel, bei Corporate Technology zuständig für externe Kooperationen und Koordinator des Software Campus. Acht der neun Doktoranden forschen in ihrem Projekt bei der Corporate Technology, einer bei Industry. Sie beschäftigen sich unter anderem mit dem Aufbau komplexer Systeme, der automatischen Erkennung von Bauteilen und Kommunikationstechnologien für verteilte Energiesysteme. Die Doktoranden lernten jetzt ihre Mentoren und Fachbetreuer kennen. Die Mentoren werden ihnen Einblick in Management- und Führungstätigkeiten geben und sie während der bis zu zweijährigen Laufzeit des Software Campus beraten. Die Fachbetreuer begleiten inhaltlich die drei bis sechsmonatige Praxisphase. Die Doktoranden besuchen zusätzlich Seminare bei Siemens mit den Schwerpunkten Führungs- und Methodenkompetenz.

„Ich sehe hier eine einzigartige Chance, Kontakt zu Topmanagern aus der Industrie zu knüpfen und während der Zusammenarbeit das Unternehmen kennenzulernen“, sagte Jonas Eckhardt, der an der TU München Software Engineering studiert hat. Er beschäftigt sich in seiner Promotion mit dem Requirements Engineering großer verteilter Systeme, die hochkomplex sind und eine Vielfalt von Anforderungen erfüllen müssen. Ein Beispiel ist der weltweite Flugverkehr, wo zahlreiche Einzelsysteme vernetzt sind. „Für solche Systems of Systems ist eine sorgfältige, strukturierte und ingenieursmäßige Vorgehensweise unabdingbar, um qualitativ hochwertige Systeme entwerfen und umsetzen zu können“, erklärt Eckhardt. „In meinem Projekt möchte ich bereits in einem frühen Stadium des Projektlebenszyklus’ ein formal fundiertes Artefaktmodell verwenden und damit Fragen bezüglich Verfolgbarkeit und Änderungsauswirkungen in Anforderungen beantworten zu können.“ Der Nachwuchswissenschaftler setzt dabei auf die Unterstützung durch seine Mentorin Jennifer Schlözer. „Ich erhoffe mir einen Erfahrungsaustausch mit einer Praktikerin, die mir wichtige und wertvolle Informationen gibt“, sagte Eckhardt.

Der Informatiker Michael Schmitt vom Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung wird in seinem Projekt eine Computer Vision Lösung zur Erkennung von Bauteilen entwickeln. Sie soll lediglich auf CAD-Daten der Bauteile zurückgreifen und keinerlei Training benötigen. Eine solche Lösung könnte später Techniker bei der Instandhaltung unterstützen. Denis Bytschkow von der TU München will eine modellbasierte Simulationsplattform speziell für Kommunikationstechnologien intelligenter Energieversorgungssysteme entwickeln. „Ich möchte verschiedene Ansätze verschiedener Regelungsstrategien untersuchen und miteinander vergleichbar machen“, sagte Bytschkow. Zukünftige Prosumer - also Stromeinspeiser und -konsumenten in einem - sollen dabei die Interaktion weitgehend Agenten überlassen, die dann automatisierte Entscheidungen treffen und selbstständig agieren. „Ich habe hier die perfekte Gelegenheit, Ergebnisse wissenschaftlich korrekt zu erarbeiten, gleichzeitig wichtige Kontakte in die Industrie zu knüpfen und meine Ergebnisse auf technische und marktwirtschaftliche Relevanz zu überprüfen.“

„Für Themen wie Industrie 4.0 oder die Energiesysteme der Zukunft benötigen wir Informationstechnologie“, sagte Walter Weigel. „Deswegen sucht Siemens nach Experten mit Potenzial als Führungskraft, die nicht reine IT-Experten sind, sondern auch Ingenieurswissen, also Kenntnisse in bestimmten Domänen mitbringen.“ Am Software Campus arbeite Siemens daher engagiert mit. „Wir versprechen uns davon, dass wir für unser Unternehmen geeigneten Nachwuchs kennen lernen und auch an uns binden können“, sagte Weigel.

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