Mentoren des Software Campus

Karin Pientka, Vice President Innovationsprojekte im Geschäftsbereich Innovationen BRIEF, Deutsche Post DHL Group

04.12.2013 -

Mentorin des Software Campus-Teilnehmers Matthias Böhmer

Frau Pientka welche Projekte verantworten Sie konkret und wie sieht Ihr typischer Tagesablauf aus?

In meiner Position generiere ich Ideen, bewerte und teste sie, verbessere im Bedarfsfall mehrfach und setze sie anschließend zügig und kostengünstig um. Ich agiere dabei sowohl als Strategin aber auch als Macherin. Ich stimme mich beispielsweise nahezu täglich mit Stakeholdern und Geschäftspartnern ab, beschäftige mich mit Prototyping, hole dabei immer die Rückmeldung von Konsumenten und Geschäftspartnern ein und tausche mich mit ihnen aktiv aus. Das bedeutet auch, dass wir mit Kunden und auch im Team Themen intensiv diskutieren und kritische Aspekte ansprechen. Ich muss ständig Ideen neu bewerten und kostengünstige Wege finden, sie zur Marktreife zu führen. Dabei muss die Umsetzung stimmen, Prozesse müssen schlank sein. Das heißt: Immer wieder verbessern, hinterfragen, verbessern, hinterfragen - und manchmal eben auch verwerfen….

Was war bisher die größte Herausforderung in Ihrem Job?

Innovative Ideen strategisch klar bewerten und zügig umsetzen, das ist das Wertversprechen des Geschäftsbereichs Innovationen BRIEF. Und das stellt jeden Tag die Herausforderung in meiner Arbeit dar, macht sie aber auch spannend, vielseitig und interessant.

Stichwort Software Campus: Sie sind Mentorin eines Teilnehmers. Warum wollten Sie gerne Mentorin werden?

Ein Mentoring, vor allem mit externen IT-Experten, ist immer eine gute Gelegenheit, potenzielle neue Mitarbeiter kennenzulernen. Mentoring ist im Geschäftsbereich Innovationen fest verankert. Ich habe damit bereits viele gute Erfahrungen gemacht, denn im Idealfall profitiert nicht nur der Mentee, sondern auch der Mentor und natürlich das Unternehmen vom Mentoring.

Können Sie Beispiele nennen?

Der Mentee erfährt zum Beispiel wie das Unternehmen „tickt“ und welche Strukturen existieren. Er lernt praxiserprobte Problemlösestrategien kennen und erweitert seine Handlungsoptionen. Der Mentor wiederum bekommt frisches Feedback und kann selbstverständliche Problemlösungen hinterfragen. Dadurch eröffnen sich ihm veränderte Sichtweisen. Zudem schärft sich das Bewusstsein des Mentors durch die Arbeit mit dem Mentee für seine eigenen Stärken. Letztendlich profitiert auch das Unternehmen: Wenn es klappt, erhält es Mitarbeiter, die die Konzernstruktur und ihre Aufgaben von Anfang an besser kennen. Die neuen Mitarbeiter können sich gleich von Anfang an mit dem Unternehmen identifizieren, sind loyal und wissen, dass sie gefördert werden. Die Kommunikation geht über Bereiche und Hierarchien hinaus, so dass persönliche. Netzwerke innerhalb des Unternehmens ausgebaut werden können.

Wie sah das Mentoring konkret aus?

Matthias Böhmer und ich haben uns regelmäßig getroffen, mal mit Kollegen, mal ohne. Er hat zudem an unserem sogenannten Challenge Room teilgenommen, d.h. Matthias Böhmer konnte seine eigene Arbeit vorstellen und mit den Kollegen des Geschäftsbereiches diskutieren, um geeignete Geschäftsmodelle zu identifizieren. Er nahm auch am Leiterkreis teil, in dem sich das Management trifft, um dort sein Projekt zu präsentieren. Wir haben uns außerdem zu einem individuellen Coaching getroffen, in dem ich ihm meine Erfahrungen mit “Storyline und Chart-Design” weitergegeben habe.

Welche Fähigkeiten, Erfahrungen sollte ein Mentor aus Ihrer Sicht mitbringen?

Das Mentoring erinnerte mich daran, dass ich selbst einmal eine blutige Anfängerin war, in einige „Fettnäpfchen“ tappte und wegen mancher Entscheidung, die ich heute ruckzuck treffe, schlaflos im Bett lag. Grundsätzlich muss sich ein guter Mentor zurücknehmen können, um bei den jungen Kollegen Lernprozesse zu initiieren, zu steuern und zu begleiten. Wenn man selbst nicht die Zügel in die Hand nimmt, wie wir es als Manager häufig gewohnt sind, werden die jungen Führungskräfte stärker ermutigt, ihren eigenen Weg zu finden. Und das ist ja schließlich das Ziel des Mentoring.

Konnten Sie ebenfalls aus dem Mentoring lernen

Selbstverständlich! Durch die Vorstellung seiner Arbeit „Appscrobbler“ im Leiter- und Kollegenkreis haben wir gemeinsam mit Matthias Böhmer neue Impulse für unsere Projekte diskutiert. Matthias Böhmers wissenschaftliche Sicht auf die Dinge gab uns nochmals einen anderen Blickwinkel auf unsere Projekte, denn wir denken stark in Geschäftsmodellen. Für uns war das Mentoring also eine Win-Win-Situation.

Waren Sie schon vorab einmal Mentorin?

Da wir im Geschäftsbereich in flexiblen Projektstrukturen arbeiten, bin ich selbst Mentor für mehrere Kollegen. Daher war diese Aufgabe für mich nicht grundsätzlich neu.

Hatten Sie einen Mentor bzw. hätten Sie gerne einen gehabt? 

Zu Beginn meiner leitenden Tätigkeit hätte ich gerne einen Mentor gehabt. Das Modell war früher aber noch nicht so stark im Konzern ausgeprägt wie heute. Damals hat mein direkter Vorgesetzter dankenswerterweise Teile dieser Aufgabe übernommen.

Welchen Tipp würden Sie einem jungen Informatiker geben, der sich gerne in einem Unternehmen einbringen möchte

Wenn man gerade von der Universität oder aus der Forschung kommt, müssen junge Manager häufig erst einmal einen gewissen „Praxisschock“ verdauen. Selbst viele gut durchdachte Ideen müssen Hürden bewältigen, um erfolgreich zu sein. Im Unternehmen wird man mit Budgets, Business Cases, Marketing- und Vertriebskonzepten und einem herausfordernden Stakeholder Management konfrontiert. Man muss neugierig sein, sich ein gutes Partnernetzwerk aufbauen sowie offen und zielstrebig auch ungewohnte Herausforderungen mutig und selbstreflektiert angehen.

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